29.05.2019, von Jörg Lenz

SEELift übt den Katastrophenfall in Europa

Eine ganze Reihe schwieriger Katastrophen bildete das Szenario „Cascade 2019“ für Europäische Katastrophenschützer: Auch Auslandseinheiten des THW nahmen an der Großübung der Europäischen Union teil - und die Einheit SEELift nutze die Gelegenheit neue Einsatzkräfte mit den Aufgaben der Sondereinheit vertraut zu machen.

Am frühen Morgen des 29. Mai schreckten die Einsatzkräfte um kurz nach vier aus den Betten hoch, als die Alarmierung erfolgte. Etwa 20 Minuten später waren elf Helfer dabei, die Fahrzeuge zu beladen. Für etwa die Hälfte der Gruppe war dies der erste Einsatz mit der Schnell-Einsatz-Einheit und auch der Einheitsführer nahm diese Rolle zum ersten Mal wahr. Dementsprechend aufgeregt waren alle, als es nach einem kurzen Briefing dann endlich hieß „Aufsitzen, los geht’s!“ 18 Helfer der SEEWA aus allen Himmelsrichtungen trafen am frühen Morgen am Flughafen ein. Sie waren mit den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln unterwegs. Wer mit dem Flugzeug kam, hatte sein Gepäck schon abgegeben, alle anderen mussten noch bei der Fluggesellschaft einchecken. Bei dem stets knappen Zeitplan hilft nur ausgeklügelte Organisation und ein guter Draht zum Flughafenbetreiber, Sicherheitspersonal und den Fluggesellschaften. Viele Entscheidungen sind bei einer solchen Lage in kurzer Folge zu treen: Ein Auslandshelfer war zum Beispiel bei seiner Anreise wegen eines defekten Zuges auf der Strecke liegen geblieben. Sofort muss abgewogen werden, welcher THW-Ortsverband seinem Standort am nächsten liegt, und ob man von dort Unterstützung anfordern muss, um den Abflug des Teams nicht zu gefährden. Die Auslandshelfer wurden eilends zusammengezogen, hatten seit Stunden nichts zu Essen und zu trinken und werden auch in den nächsten Tagen vielleicht Schwierigkeiten bei der Verpflegung haben - der Kontakt mit der SEElift ist in vielen Einsätzen die letzte Möglichkeit, die Auslandshelfer noch einmal ordentlich zu verpflegen. Es bietet auch die Chance zu einem Briefing: Wie ist die Sicherheitslage vor Ort? Welche Einheiten anderer Länder sind unterwegs?

Nachdem die SEEWA tatsächlich im Flieger nach Portugal aufgebrochen war, stellte sich die SEElift der zweiten Teilaufgabe der Übung. Auf der Air Base in Rammstein wartet eine Militärfrachtmaschine vom Typ Lockheed C-130 Hercules auf das Material für die SEEWA. Auf Flugzeugen werden keine herkömmlichen Paletten verladen - und bei der US-Streitkräfte schon zweimal nicht, denn deren Normen werden in Inch und Zoll gemessen. In kürzester Zeit mussten also Paletten nach amerikanischer Norm angefertigt und mit der tonnenschweren Fracht beladen werden. Auch beim Beladen steckt der Teufel im Details: Packlisten müssen angepasst werden, die Gewichtsverteilung muss stimmen, Etiketten sollen nach außen zeigen. Erschöpft aber zufrieden kann die SEElift am Ende der Übung vermelden: „Auftrag ausgeführt“ - und vier neue Helfer haben zum ersten Mal SEElift geschnuppert.


Hintergrund-Informationen:
Die Schnell-Einsatz-Einheit für Logistikabwicklung im Lufttransportfall (SEELift) gewährleistet die schnelle Luftverlastung der Einheiten und des Materials, die im Rahmen eines Einsatzes ins Ausland verlegt werden. Die Einheit gewährleistet dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Flughafen unter Berücksichtigung aller Vorgaben und Bestimmungen. Insbesondere obliegt der SEELift die Gefahrgut- und Zollabwicklung im Einsatzfall. Bei der Rückkehr der Einheiten aus dem Einsatzgebiet koordiniert die SEELift die Zusammenführung der Einsatzkräfte mit ihren Abholern und der Presse. Daneben sorgt die SEELift für die Infrastruktur zur Durchführung eines Briefings beziehungsweise Debriefings. Die SEEWA steht für eine operativ-taktische Auslandseinheit, mit der das THW schnell auf aktuelle Gefahrenlagen im WASH-Bereich (Water, Sanitation and Hygiene) reagieren kann. Zu den Aufgaben der SEEWA zählen die Erkundung, die mobile Trinkwasseraufbereitung, die Wasserabgabe, die Wasseranalyse, die Instandsetzung zerstörter Wasserversorgungssysteme wie zum Beispiel Brunnen, die Sicherstellung einfacher Sanitärversorgung und die fachtechnische Beratung. Die Einsatzteams sind mit moderner Ausstattung ausgerüstet und ebenso wie die Experten der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) in der Lage, innerhalb weniger Stunden in ein Katastrophengebiet aufzubrechen. Die SEEWA arbeitet technisch und personell eng mit den zuständigen Behörden vor Ort zusammen und integriert sich in die bestehenden Koordinierungsstrukturen.

 

 


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